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OB Till: Unsere Werte sind unverrückbar

Eine Begegnung unter Freunden: Beim Neujahrsempfang der Stadt Sonneberg hielt Göppingens Oberbürgermeister Guido Till die Festrede und appellierte, unsere Werte und unsere Verfassung gemeinsam zu verteidigen. Sonnebergs Bürgermeister Dr. Heiko Voigt kritisierte die Pläne für die Gebietsreform in Thüringen und plädierte für ein länderübergreifendes gemeinsames Oberzentrum Sonneberg/Neustadt bei Coburg.

Seit September 1990 sind Göppingen und Sonneberg offizielle Partnerstädte. Seitdem sind viele Verbindungen und Freundschaften erwachsen. Nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel 2015 und dem US-Generalkonsul Scott Riedmann 2016 setzte heuer Oberbürgermeister Guido Till die Reihe der Festredner beim Neujahrsempfang in Sonneberg fort. Zuvor allerdings gab Bürgermeister Dr. Heiko Voigt einen Rück- und Ausblick auf aktuelle politische Entwicklungen in der Spielzeugstadt, die sich ganz der Haushaltskonsolidierung verschrieben hat. Dr. Voigt übte heftige Kritik an den Plänen der thüringischen Landesregierung zur Gebietsreform. Angesichts der erfolgreichen Zusammenarbeit in der Metropolregion Nürnberg, zu der auch die thüringische Stadt gehört, plädierte er für ein gemeinsames Oberzentrum aus Neustadt bei Coburg und Sonneberg. Der Wirtschaftsraum mit seinen 40.000 Einwohnern dürfe nicht durch die künstliche Ländergrenze zwischen Bayern und Thüringen behindert werden. „Ich spreche nicht von einem Länderwechsel Sonnebergs – noch nicht.“

Im weiteren Verlauf seiner Ansprache wurden Parallelen zwischen den beiden Partnerstädten deutlich. So herrsche auch in Sonneberg Mangel an Bauflächen für Gewerbe und Wohnen, doch niemand verkaufe Grundstücke. Die vier Säulen Ehrenamt, Kultur, Sport und Vereine mache eine Gesellschaft aus, fuhr Dr. Voigt fort. Zudem gab er einen Ausblick auf vielfältige Veranstaltungen in Sonneberg, mit verschiedenen 700-Jahr-Feiern einzelner Stadtteile, dem Stadtfest, den Jazztagen und dem Puppenfestival.

„Als am 3. Oktober 1990 die deutsche Einheit auch offiziell vollzogen wurde, da waren die Städte Sonneberg und Göppingen bereits seit über zwei Wochen offizielle Partner“, blickte Göppingens Stadtoberhaupt 27 Jahre zurück. Seitdem hätten die neuen Bundesländer und exemplarisch die Stadt Sonneberg einen enormen Aufschwung vollzogen, infrastrukturell wie wirtschaftlich. Einer 2016 in Paris vorgestellten OECD-Studie „Regions at a Glance – Regionen auf einem Blick“ zu Folge ist die Lebensqualität im Osten Deutschlands in einigen der elf untersuchten Bereiche höher als im Westen, so zum Beispiel bei der Bildung der Erwerbsbevölkerung, bei der Umwelt und beim Wohnen. Der am 21. September vergangenen Jahres vorgestellte Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit 2016 kam zum Ergebnis, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in den neuen Bundesländern von 1991 bis 2015 von 42,8 Prozent auf 72,5 Prozent des Niveaus in den westlichen Bundesländern gestiegen sei. „Ein beachtlicher Aufholprozess“, befand Till. „Aber der Wert liegt im Osten damit immer noch 27,5 Prozent unter dem im Westen.“ Nicht überall seien also die ‚blühenden Landschaften‘ entstanden, und vor allem nicht so schnell wie ursprünglich erwartet. Auch heute gebe es große Unterschiede in den Lebensbedingungen der verschiedenen deutschen Regionen – aber nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Nord und Süd, vor allem aber zwischen dem ‚flachen Land‘ und den großen Ballungsräumen.

Sonneberg habe eine vorbildliche Entwicklung genommen, würdigte Guido Till: „Ob städtebaulich oder infrastrukturell – Ihre Stadt kann sich sehen lassen. Deutsches Spielzeugmuseum, SonneBad, beeindruckende Kindertagesstätten – die weichen Standortfaktoren sprechen für sich.“ Die Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent liege unter dem Bundesdurchschnitt, die Beschäftigtenquote und die Betriebsdichte in der Industrie nehmen Spitzenplätze in Thüringen ein. Selber nach 1990 mehrere Jahre lang als Beigeordneter in Halle und in Wittenberg tätig gewesen, könne er die Entwicklung Sonnebergs gut einordnen. „Und ich weiß, welche Veränderungen vor allem die Menschen in den neuen Bundesländern zu bewältigen hatten – und manchmal auch nicht bewältigen konnten. Für 16 Millionen Menschen änderte sich in kürzester Zeit fast alles. Die Wiedervereinigung als Folge der friedlichen Revolution war ein Glücksfall, für den wir den Menschen in der damaligen DDR zutiefst dankbar sein müssen und ihnen unseren tiefen Respekt zollen.“

Strahlkraft der westlichen Werte

Zur friedlichen Revolution führte die Strahlkraft der westlichen Werte, zitierte Till den Zeitzeugen und Bundespräsidenten Joachim Gauck „Wir sehnten uns nach Freiheit und Menschenrechten, nach Rechtsstaat und Demokratie.“ Sonneberg und Göppingen gehören zum westlichen Abendland, haben gemeinsame historische Wurzeln, fuhr OB Guido Till fort: „Unsere Geschichte, die Geschichte Deutschlands, beinhaltet die griechische und die römische Kultur ebenso wie das Christentum, die Aufklärung und den Humanismus. Diese Entwicklungen sind in unsere Historie eingeflossen und haben sie mit geprägt. Unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere Rechtstaatlichkeit sind Ausfluss dieser Entwicklung. Und sie sind Errungenschaften, auf die wir stolz sind und die, wie auch Bundespräsident Joachim Gauck bekräftigte, nicht zur Disposition stehen.“ Vielmehr müssten diese Werte hoch gehalten und bewusst gemachen, ja aktiv verteidigt werden.
Till zeigte sich als glühender Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft, die die Unternehmen schütze, aber den Unternehmern auch Verantwortung auferlege. 2009/2010 hatte Göppingen die höchste Kurzarbeiterquote in Deutschland. Die Betriebe hätten ihre Mitarbeite/-rinnen nicht entlassen, sondern im verringerten Umfang weiterbeschäftigt oder sie mit staatlicher Hilfe in Qualifizierungsmaßnahmen fort- und weitergebildet. Bei der heutigen Vollbeschäftigung könnten die Betriebe auf ihre Personalteams zurückgreifen. Die Firmen hätten erkannt, dass sie zum Erfolg Menschen, nämlich erfahrene und kompetente Mitarbeiter/-innen, brauchen. Nach der Wende sei dies leider nicht so gewesen; massenhaft wurden Menschen ‚freigesetzt‘ und Unternehmen ‚abgewickelt‘. „Dies schmerzt bis heute – ein humanerer Umgang mit den Menschen damals hätte manche Wunde vermieden“, erklärte Till. „Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor den Thüringerinnen und Thüringern sowie vor den Menschen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Innerhalb relativ kurzer Zeit haben sie die Ungleichheit zum Westen abgemildert und beweisen, dass sich die Menschen in Deutschland immer wieder schnell aus Krisen herausgearbeitet haben.“

Zur Sozialen Marktwirtschaft gehöre, dass zunächst jeder für seinen eigenen Unterhalt selber Sorge zu tragen habe; wenn er das nicht könne, lasse ihm die Gesellschaft solidarisch Hilfe zu Teil werden. „Dies halte ich auch für meine Pflicht als gläubiger Christ und als Ausfluss des Humanismus. Und diese christlich-abendländischen, diese humanistischen Wurzeln, sie verbinden uns mit Europa.“ Auch wenn die Europäische Union derzeit kein gutes Bild biete – Europa sei ohne Alternative. Nur gemeinsam könne Europa die großen Herausforderungen meistern, sei es die Flüchtlingssituation, sei es die Beziehung zu Amerika unter Donald Trump. „Wir müssen klar gegen den auch in Europa voranschreitenden Populismus, gegen die Demagogen, Flagge zeigen“, forderte Guido Till unter dem Beifall der Zuhörer/-innen. Angesichts der Wahlen in Deutschland, Frankreich und Holland in diesem Jahr gelte es, unsere seit Jahrzehnten gefestigte und bewährte Demokratie gegen Populisten zu verteidigen. Dabei müssten Politiker/-innen die Sorgen und Ängste der Bürger/-innen ernst nehmen sowie klarer und deutlicher sagen, was gehe und wie es gehe. „Wir müssen unsere Polit-Sprache kritisch hinterfragen und vielleicht auch einmal einfachere, verständlichere Worte finden“, meinte Till. „Aber die Antworten sind nicht immer einfach. Es gibt nicht für alle Herausforderungen schnelle Lösungen. Wer dies suggeriert, der täuscht das Volk.“ Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und vor allem die Menschenwürde jedes Einzelnen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Religion, seien für ihn unverrückbar.

Die Präsidentin des baden-württembergischen Landtags Muhterem Aras umschrieb in einem Interview mit der Südwest-Presse am 21. Januar ihre Werte wie folgt: „Es sind die Werte unserer Verfassung, die sicher eine der besten Verfassungen der Welt ist: Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung, Pluralität. All das hat unsere Gesellschaft stark gemacht, und das müssen wir wieder in den Mittelpunkt rücken…..Ich will in den Vordergrund rücken, dass an diesen unseren Werten nicht zu rütteln ist. Wir müssen sie mit aller Kraft verteidigen.“ Till griff die Worte von Bundespräsident Gauck auf: „Dieses Land ist die Heimat meiner Werte … Besonders deswegen fühle ich mich hier zugehörig, zuhause.“ Abschließend ergänzte Oberbürgermeister Guido Till: „Auch unsere Städte sind die Heimat meiner Werte. Auch deswegen fühle ich mich in Göppingen heimisch und zugehörig, und auch deswegen fühle ich mich in Sonneberg, bei Ihnen, unseren Freunden, zuhause.“


Bürgerreise im Frühling 2017 in die Partnerstadt Foggia

Der Arbeitskreis Foggia organisiert eine 4-tägige Flugreise nach Foggia, vom 28. April bis 1. Mai 2017, um die Partnerstadt von Göppingen und die Region Apulien, in Süditalien, kennenzulernen. Geplant sind eine Stadtbesichtigung der Altstadt von Foggia mit der Kathedrale Santa Maria Icona Vetere, Rathaus, Stadtmuseum, Ausflug nach Lucera mit der gut erhaltenen Staufer-Anjou-Festung und dem römischen Amphitheater, zum Castel del Monte, eine Festung von Friedrich II., die steinerne Krone Apuliens sowie nach Trani mit Stadtbesichtigung, der Kathedrale San Nicola und Lungomare. Drei Übernachtungen in einem guten Mittelklasse-Stadthotel in Foggia, Doppel (ca. 80 Euro, pro Nacht) - und Einzelzimmer möglich. Der Reisepreis bei 25 Teilnehmern beträgt ca. 270,-- Euro pro Person und enthält Flugkosten, sämtliche Fahrten, Führungen und Eintrittsgelder ohne Hotel- und Verpflegungskosten sowie Reiseversicherung. Anmeldungen ab sofort bis 31. Januar 2017. Nähere Informationen bei der Stadtverwaltung Göppingen, Geschäftsstelle Städtepartnerschaft Foggia, Beate Schimanko, Tel. 07161 650-226, E-Mail: bschimanko@goeppingen.de

Typ Name Datum Größe
docx Anmeldung eine Person.docx 09.12.2016 30 KB
docx Anmeldung zwei Personen.docx 09.12.2016 30 KB


Herbstferien in Foggia

Im Rahmen des städtischen Schüleraustauschs verschiedener Göppinger Schulen konnte eine Schülergruppe die Partnerstadt Foggia in Süditalien kennenlernen.

Die Gruppe wurde bei der Ankunft gleich herzlich begrüßt. In der Familie lernten die Schüler Geschwister, regionales Essen und kulturspezifische Besonderheiten kennen. Auch die Partnerstadt zu entdecken, war sehr spannend, da es andere Öffnungszeiten der Läden als in Deutschland gibt. In dieser Herbstwoche erlebten die Schüler auch den hohen italienischen Feiertag, Allerheiligen, in der Gastfamilie. Es gab teilweise Ferientage in Foggia, aber auch Schulunterricht mit Schulführungen und Gesprächen mit Lehrern. Ein Ausflug an die Küste nach Manfredonia mit Castello von Friedrich II. und Strand und Hafen sowie die Cattedrale Santa Maria Maggiore di Siponto waren sehr beeindruckend. Seit diesem Jahr gibt es, direkt neben der Cattedrale, eine Rekonstruktion einer Basilika aus Metall, die vorhandene Ausgrabung wurde überbaut, mit Ausleuchtung bei Dunkelheit. Die ganze Woche war geprägt von interkultureller Kompetenz und neuen Erkenntnissen. Es wurden Freundschaften geschlossen und in verschiedenen Sprachen gesprochen. Herzlichen Dank an die Städte Foggia und Göppingen. Die Schülergruppe freut sich den Gegenaustausch im Frühjahr 2017.


Kultur verbindet

In diesem Jahr blicken die Städtepartnerschaften Göppingen-Foggia und Göppingen-Klosterneuburg jeweils auf ihr 45-jähriges Bestehen zurück. Neben Bürgerfahrten, Schulaustauschen und Vereinskontakten belebt in diesen Tagen die Kultur die Städtefreundschaften.
 
Bereits im vergangenen Jahr präsentierte der Hohenstaufener Galerist Rüdiger Wolff neun Künstler/-innen aus der niederösterreichischen Partnerstadt Klosterneuburg auf Burg Wäscherschloss; jetzt stellen Gertraud Kostiuk und DI Gerhard Papp ihre Werke bis zum 12. Juni 2016 vor, darunter Göppinger Stadtansichten mit den Augen Klosterneuburger Künstler/-in betrachtet und gestaltet. Landtagsabgeordneter Alexander Maier freute sich in seiner Eröffnungsansprache am 19. Mai 2016 über das gelungene Einfangen und Wiedergeben der Schönheit seiner Heimatstadt Göppingen. Ansichten aus Klosterneuburg, aber beispielsweise auch aus Venedig, runden die Themen der ausgestellten Aquarelle von Gertraud Kostiuk ab. Ganz bewusst spielt die gebürtige Wienerin, die seit vier Jahrzehnten ihren Lebensmittelpunkt in Klosterneubug hat, mit dem Einsatz von Licht und Schatten in ihren „Wasserbildern“. Gerhard Papp, in Klosterneuburg geborener Architekt, zeichnet mit der Feder – so feingliedrig, dass seine Werke auf den ersten Blick an Kupferstiche erinnern. Architektur und Tiere zählen zu seinen bevorzugten Motiven; im Wäscherschloss ist er beispielsweise mit einer ganzen Reihe von Drachen vertreten.

Mit dieser zweiten Ausstellung Klosterneuburger Kunstschaffender im Wäscherschloss will Rüdiger Wolff die Kunstbeziehungen zwischen den beiden Partnerstädten festigen und zu einem jährlichen Fixtermin werden lassen. Dock der Kunstaustausch ist keine Einbahnstraße; demnächst präsentiert Wolff einen Künstler aus dem Landkreis Göppingen in der niederösterreichischen Partnerstadt. Und für den Herbst plant der aktive Galerist noch Größeres, nämlich ein mehrtägiges Symposium mit Künstler/-innen aus allen fünf Partnerstädten Foggia, Klosterneuburg, Sonneberg, Pessac und Göppingen. Bei der Partnerstadt vor den Toren Wiens blieb Wolfgang Mayer, der in seinem Grußwort für den Arbeitskreis Klosterneuburg ein weiteres partnerschaftliches Schild für den Maientags-Umzug ankündigte, gestaltet von Mitgliedern des Künstlerbundes Klosterneuburg. Dies sei zwar mittlerweile in Göppingen angekommen, werde aber erst zum Maientag vorgestellt.


Schüleraustausch in den Herbstferien nach Foggia

Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren können in den Herbstferien am Schüleraustausch nach Foggia, der Partnerstadt von Göppingen in Südtitalien, teilnehmen. Der Gegenaustausch wird im Frühjahr 2017 stattfinden. Die Jugendlichen aus Foggia sprechen Englisch, Französisch, Spanisch, aber auch Deutsch. Wer Interesse hat, neue Leute im gleichen Alter kennenzulernen und sich für Italien und seine Menschen interessiert, kann sich ab sofort bei der Stadtverwaltung Göppingen, Beate Schimanko, Telefon 07161 650-226, oder per E-Mail bschimanko@goeppingen.de, anmelden. Hier gibt es auch weitere Informationen. Ein Fahrtkostenzuschuss gemäß den Richtlinien der Stadt Göppingen kann gewährt werden.

Typ Name Datum Größe
pdf Anmeldeformular.pdf 15.04.2016 8 KB
pdf Handzettel.pdf 15.04.2016 387 KB

  

Ansprechpartner

Willi Schwaak
Hauptamtsleiter
07161 650-205
WSchwaak@goeppingen.de

Anschrift

Stadtverwaltung Göppingen
Hauptstraße 1
73033 Göppingen