Keine Angst vor Wespen und Hornissen

Wer kennt sie nicht, die schwarz-gelb gezeichneten Brummer, die einen in Angst und Schrecken versetzen, wenn sie an schönen Sommertagen die wohlverdiente Ruhe auf dem Balkon oder der Terrasse stören.

Dabei sind die meisten der heimischen Wespenarten, zu denen auch die Hornisse gehört, friedliebende Tiere, die zudem sehr wertvolle Aufgaben im Naturhaushalt erfüllen. Nur zwei Arten, die "Deutsche Wespe" und die "Gemeine Wespe", werden mitunter lästig, wenn sie ihren Teil des Kuchens beim sonntäglichen Nachmittagskaffee abverlangen oder gar sich im Rolladenkasten oder ähnlichen Versteckmöglichkeiten häuslich niederlassen. Die anderen sechs heimischen Wespenarten jedoch leben recht unauffällig und sind leider infolge übertriebener Ängste und damit verbundener Bekämpfungsmaßnahmen sowie Verlust ihrer natürlichen Lebensräume in ihrem Bestand gefährdet. Dazu gehört auch die Hornisse. Mit ein wenig Rücksicht und Toleranz ist ein "Zusammenleben" mit diesen Tieren jedoch möglich.

Verbreitung der Hornisse

In Deutschland sind die Hornissen nicht mehr flächendeckend verbreitet. Die Vorkommen beschränken sich auf mehr oder weniger isolierte Landschaftsräume in Nord- und Süddeutschland. Den ursprünglichen Lebensraum der Hornisse bilden artenreiche Mischwälder, Auwälder und parkähnliche Landschaften mit Eichen, Eschen, Birken sowie Streuobstwiesen. Im Albvorland und am Albtrauf sind diese Lebensräume noch recht zahlreich vorhanden. Besonders Waldränder und die Nähe von Gewässern schätzen die Hornissen wegen des Reichtums an Insekten. Ihre Nester bauen sie in dickere, hohle Bäume oder große Astlöcher, sowie in Spechthöhlen und auch in verlassene Mäusebauten. Da diese natürlichen Lebensräume immer seltener werden, weichen die Hornissen oft auf sogenannte Ersatzlebensräume aus. Dort bauen sie kunstvoll in Gartenhütten, Scheunen, Rolladenkästen und Hohlblocksteinen unserer Häuser ihre Nester, nehmen aber auch gerne Vogelnistkästen an.

Lebensweise

Nach dem Winterschlaf etwa Mitte Mai sucht die Hornissenkönigin einen geeigneten Hohlraum und beginnt mit dem Nestbau. Sie verwendet dazu morsches Holz, das sie mit ihren kräftigen Mundwerkzeugen abnagt und mit Speichel vermischt. Es entsteht eine papierartige Masse, aus der sie die ersten Wabenzellen formt.

Ihre Nahrung besteht vor allem aus Insekten und Baumsäften, bevorzugt von unseren heimischen Baumarten (z.B. Eichen, Eschen und Birken). Nachdem die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, verbleibt die Königin im Nest und belegt die fertiggestellten Waben mit Eiern. Unter günstigen Bedingungen, wie warme, trockene Witterung, gutes Nahrungsangebot etc., kann sich das Hornissenvolk stark vermehren und beherbergt auf dem Höhepunkt der Volksentwicklung im August/September mehrere hundert Individuen. Meist fallen die Völker erst in dieser Zeit dem Menschen durch die dann rege Flugtätigkeit auf. Zu diesem Zeitpunkt ist das Absterben nicht mehr weit. Ab Mitte August schlüpfen nur noch Weibchen (junge Königinnen) und Hornissenmännchen (Drohnen). Nach der Paarung stirbt das ganze Volk bis auf die begatteten ungköniginnen ab, die an einem geschützten Ort z.B. in hohlen Bäumen oder in Erdlöchern überwintern, bis sie im nächsten Frühjahr mit der Gründung eines neuen Volkes beginnen. Das alte Nest wird nicht wieder besetzt.

Wie nützlich sind Hornissen?

Hornissen sind die Jäger unter der Insektengruppe der "Hautflügler". Ein starkes Hornissenvolk verfüttert ein halbes Kilogramm Insekten täglich an seine Brut. Darunter sind auch viele Schädlinge, wie die Raupen des Eichenwicklers oder des Frostspanners. Hornissen sind auch für verschiedene Tierarten ein beliebtes Beuteobjekt. So gilt sie z.B. für den Wespenbussard oder den Neuntöter als Delikatesse. Hornissen haben eine wichtige Regulationsaufgabe im Naturhaushalt.

Gefährdung und Schutz

Die Hornisse ist in der "Roten Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen Baden-Württembergs" aufgeführt und dort in die Kategorie 3 "Gefährdet" eingeordnet. Dies bedeutet, dass bereits in großen Teilen des einheimischen Verbreitungsgebietes nur noch wenige Hornissen vorkommen.
Hauptsächlich drei Ursachen sind dafür zu nennen:

  • Verlust der ursprünglichen Lebensräume und reduzierte Nistmöglichkeiten in hohlen Bäumen
  • Direkte Gefährdung durch die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Landwirtschaft und in unseren Gärten
  • Bekämpfung der Hornissen durch den Menschen (z.B. Ausräuchern von Nestern, Töten der Königinnen im Frühjahr)

Seit 01.01.1987 ist die Hornisse in der Bundesartenschutzverordnung aufgeführt und genießt somit besonderen gesetzlichen Schutz. Dieser gesetzliche Schutz reicht jedoch nicht aus, um die Hornissenbestände zu sichern bzw. wieder zu entwickeln. Wichtig ist, dass wir versuchen, Hornissennester in unserer Umgebung zu akzeptieren. Wenn sie nicht im unmittelbaren Nestbereich gestört werden, sind Hornissen völlig harmlos. Des Weiteren sollte man alte, morsche Bäume oder Baumstümpfe nicht fällen. Natürliche Nistmöglichkeiten werden sonst zerstört. Die Anbringung von Hornissenkästen im Garten oder Streuobstwiesen stellt eine wichtige Hilfe für diese bedrohte Tierart dar.

Es ist jedoch keineswegs so, dass ein Hornissenstich eine tödliche Gefahr darstellt, wie vielfach angenommen wird. Die Aussage, sieben Hornissenstiche töten ein Pferd und drei einen Menschen, gehört ins Reich der Märchen. Tatsache ist, dass ein Hornissenstich nicht gefährlicher ist als ein Wespen- oder Bienenstich. Vorsicht ist nur bei Allergikern angezeigt.

In wenigen Fällen, wenn zwingende Gründe dafür sprechen, kann eine Umsiedelung des Hornissenvolkes dennoch nötig sein. Eine Umsiedelung ist um so einfacher je zeitiger das Nest entdeckt wird. Setzen Sie sich in diesem Fall bitte unbedingt mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt in Verbindung, bei der auch ein Faltblatt mit vielen interessanten Informationen über Hornissen zu bekommen ist.

Alle Wespenarten unterliegen in der Bundesrepublik Deutschland den Vorschriften über den allgemeinen Artenschutz nach § 20d Bundesnaturschutzgesetz, wonach es verboten ist, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.

Aufgrund der Ähnlichkeit der unterschiedlichen Wespenarten werden des öfteren Nester von völlig harmlosen Wespen zerstört, weil die Meinung besteht, dass es sich um "lästige" Arten (Deutsche Wespe, Gemeine Wespe) handelt. Frei hängende Nester gehören grundsätzlich nicht zu den "lästigen" Arten. Eine genaue Unterscheidung kann von den Fachleuten vorgenommen werden.

"Lästige" und "nicht lästige" Wespenarten

Wie die Hornissen, sind auch alle anderen Wespenarten Jäger, die zur Aufzucht ihrer Brut eiweißreiches Futter in Form von erbeuteten Insekten benötigen. Sie nehmen damit eine wichtige Regulationsaufgabe innerhalb der Insektenwelt wahr. Gleichzeitig dienen sie verschiedenen Tieren als beliebte Nahrung. Unter den insgesamt acht heimischen, staatenbildenden Wespenarten gehören nur zwei zu den sogenannten "lästigen" Wespen. Es sind dies die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Sie bilden sehr individuenreiche Völker und können bei der Nahrungssuche uns Menschen durch das Anfliegen von süßen Speisen und Getränken lästig werden. Die anderen sechs Arten haben wesentlich kleinere Völker, werden durch Süßspeisen nicht angezogen und werden deshalb auch kaum wahrgenommen.

  

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