Göppingen ist Fairtrade-Stadt

100. Fairtrade-Stadt in Deutschland – diese Auszeichnung erhielt die Hohenstaufenstadt Göppingen Ende Oktober 2012 verliehen. Und so strahlten die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Faire Beschaffung“, „TransFair“-Repräsentantin Edith Gmeiner und Bürgermeisterin Gabriele Zull beim Festakt im Rathaus um die Wette.

Auf den Tischen standen und lagen fair gehandelte Blumen, die neue Stadtschokolade mit einem Fairtrade-Anteil von 73,6 Prozent sowie Göppinger Bio-Apfelsaft und Göppinger Apfel-Mango-Saft; der Weltladen präsentierte einen Ausschnitt aus seinem Angebot; und verschiedene Plakate verdeutlichten das Anliegen des fairen Handels für die Gäste der Feierstunde im Rathaus. Vor dem Rathaus, auf dem Marktplatz, sorgten unterdessen 60 Schüler/-innen des Mörike-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Maria Skaroupka-Liesche für Aufmerksamkeit: Mit weißen Luftballons, versehen mit dem blau-grün-schwarzen Fairtrade-Logo, versuchten sie, das Wort „Fair“ darzustellen (siehe Titelbild). Skaroupka-Liesche gehört der AG „Faire Beschaffung“ an; vor allem aber beschäftigen sich alle zehnten MöGy-Klassen im integrativen Modul Erdkunde/Gemeinschaftskunde mit dem Thema Globalisierung. Daraus entwickelte sich ein dauerhafter Einsatz für einen gerechteren Welthandel. So betreuen Zehntklässler in den großen Pausen am Mörike-Gymnasium einen fairen Kiosk, an dem Weltladen-Waren ohne eigenen Gewinn weiter verkauft werden. Die verkauften Müsli-Riegel und andere Pausensnacks helfen nicht nur den armen Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern, sondern stärken zugleich das Bewusstsein der Schüler/-innen für ihre globale soziale Verantwortung. Dieses Bewusstsein Schritt für Schritt auf möglichst große Kreise in der Hohenstaufenstadt auszudehnen, ist auch eines der Ziele der Auszeichnung als „Fairtrade-Stadt“.

Am 20. Oktober 2012 wurden bundesweit 21 Kommunen als „100. Fairtrade-Stadt Deutschlands“ anerkannt. Ob im Rathaus oder in den Schulen, in den Vereinen oder den Kirchengemeinden, ob in den Geschäften oder in der Gastronomie – der Faire Handel gehört in diesen Gemeinden zum Stadtbild. „Alle diese Städte setzen sich gemeinsam dafür ein, dass vor allem den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika zu gerechteren Arbeits- und Lebensbedingungen verholfen wird“, würdigte Christian Ude, Oberbürgermeister der Stadt München, als Präsident des Deutschen Städtetags. „Städte und Gemeinden vergeben rund 50 Prozent aller öffentlichen Aufträge und können deshalb mit ihrer Nachfragemacht einen erheblichen Teil zur fairen Vergabe und damit zum Erfolg des fairen Handels beitragen.“ Garstang in Großbritannien wurde im April 2000 zur ersten Fairtrade Town der Welt ernannt; heute gibt es über 1.000 Fairtrade Towns in 23 Ländern auf allen sechs Kontinenten, so auch London, Madrid, Paris – und seit Ende Oktober Göppingen!

Fünf Kriterien müssen die Bewerber erfüllen, um den Titel zu erhalten. Es muss eine Steuerungsgruppe gegründet werden, die die Aktivitäten koordiniert und die verschiedenen Institutionen vernetzt. Die Kommunen legen per Ratsbeschluss ihre Teilnahme fest und verpflichten sich, bei Sitzungen und im Rathaus nur noch fair gehandelten Kaffee zu trinken und mindestens ein weiteres Produkt aus Fairem Handel anzubieten. Schulen, Vereine und Kirchen müssen sich ebenso nachweislich engagieren wie der Einzelhandel und die Gastronomie. Erst wenn eine bestimmte Anzahl an Aktivitäten und Angeboten erreicht ist und die lokale Presse darüber berichtet, erhalten Kommunen die Auszeichnung, erläuterte Edith Gmeiner vom Verein „TransFair“. Ein Ausruhen auf den Lorbeeren gibt es aber nicht: In zwei Jahren wird die Einhaltung der Kriterien erneut überprüft.

„Auf großes Einvernehmen sind Impulse aus der Mitte des Gemeinderats gestoßen, bei Beschaffungen, Ausschreibungen und Vergaben keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zuzulassen“, blickte Bürgermeisterin Gabriele Zull bei der Auszeichnung auf Göppingens Weg zur „Fairtrade-Stadt“ zurück. „Der entsprechende GR-Beschluss konnte ziemlich genau vor zwei Jahren, am 14. Oktober 2010, gefasst werden.“ Daraufhin wurde die Arbeitsgruppe „Faire Beschaffung“ mit Vertretern verschiedener Fachbereiche und später auch des Mörike-Gymnasium, des Weltladens und der Lokalen Agenda unter der Leitung von Manuela Straub ins Leben gerufen. Die ebenso fleißigen wie kreativen Köpfe der Arbeitsgruppe sind Maria Skaroupka-Liesche (Mörike-Gymnasium), Stadtrat Christoph Weber als Bindeglied zur Lokalen Agenda, Ekhardt Stübler, (Weltladen) sowie seitens der Stadtverwaltung Manuela Straub, Beate Schimanko, Erika Schwarz, Christiane Nitsche, Wolfgang Schwarzmaier, Werner Kottmann und Wolfram Hosch. Bürgermeisterin Zull zeigte sich besonders erfreut, dass Göppingen die 100. Fairtrade-Stadt wurde, und betonte: Wir sind die 100. Stadt in ganz Deutschland, aber die 1. Fairtrade-Stadt im Kreis Göppingen!“ Fairer Handel, so Zull weiter, kann die beteiligten Produzentinnen und Produzenten aus extremer Armut befreien und fördert lokale Basisstrukturen sowie nachhaltiges Wirtschaften unter sozialen Mindeststandards. „Wir als Verbraucher können durch unsere Kaufentscheidungen unmittelbar Einfluss nehmen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern!“.

  

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